Das Weltmuseum

W e g und Z i e l

August 2017

Hellmut Kanis

Noch- und wieder einmal ist ein heftiger, von manchen als „Glaubenskrieg“ geführter Streit um einen gangbaren und „richtigen“ Weg zu dem gemeinsam angestrebten Ziel,

das von Förderern und einer Stiftung jahrelang umsorgte Gutenbergmuseum seiner Bedeutung gemäß zu einem Weltmuseum zu erweitern und auszubauen,

„entbrannt“, - zur rechten Zeit.

 

 

Zur rechten Zeit,

 

weil nach einem von der Architektenkammer betreuten und begleiteten Wettbewerbsverfahren

das prämierte Architekturbüro - für einen ersten Teilbereich der Wettbewerbsarbeit - den Auftrag für die Erstellung eines Vorentwurfes - aufgrund eines Stadtratsbeschlusses - erhalten hat, um dadurch die eingereichte Wettbewerbsarbeit der fachkundigen Überprüfung und einem „Härtetest des Nachweises für eine Realisation“ und neben den städtebaulichen Fragen der wirtschaftlichen Durchleuchtung und einem Kostennachweis auszusetzen.

 

Für diese Klärungs- und Überprüfungsphase wurde der hierfür in die Pflicht genommenen Verwaltung eine Baukommission mit berufenen Fachleuten beigestellt.

In der ersten Sitzung konnten viele von einem bisher nicht beteiligten Architekten vorbereiteten Fragen und Anregungen dort nicht vorgetragen und eingebracht werden, sodass dieser sich gezwungen sah und sich verpflichtet fühlte, seine kritischen Fachbeiträge in einen Achtseiten-Schriftsatz zusammenzufassen und diesen den Fraktionsvorsitzenden,

der Verwaltung und dem Oberbürgermeister zuzuschicken.

Dieser Schriftsatz und die darin gestellten Fragen bekamen auch Öffentlichkeit.

 

 

Es kam – für viele, die schon mit dem Gefühl der Hilflosigkeit: „es ist schon alles gelaufen“

resignierend befallen waren, überraschend – zu einer wuchtigen Welle von kämpferischen Leserbriefen und als sachlich bezeichneten Stellungnahmen, -

themaeinschränkend - für oder gegen ein neues Bauwerk - unter Übernahme der inzwischen für das umstrittene freistehende hohe Erstbauwerk angewöhnten Bezeichnung:

 

„Turm“ oder inhaltbezogen gesteigert: „Bibelturm“.

 

So,- zu diesem Zeitpunkt und in dieser notwendigen Nachdenk- und Überprüfungsphase - entstand und besteht die Gefahr, den Weg zum Ziel selbstgerecht zu zerreden

und mit Themenverquickungen - „Bäume oder Turm“ - zu belasten und zu beschweren, -

es entsteht die Gefahr, die Lust am Einsatz für den Weg zum Ziel gänzlich zu verlieren.

Das Verdienst des bisherigen Verfahrens, - das eindeutige Ergebnis des Verfahrens - zeigt:

es muss ein kraftvolles Zeichen, ein weltweit wirkendes Symbol und einprägsames Logo geschaffen und gesetzt werden, - jetzt.

Ein Zeichen, das den Willen und den Beginn der Anstrengungen zum Bau und Ausbau eines Weltmuseums glaubhaft und unumstößlich macht, den Liebfrauenplatz schont und bereichert.

 

Dazu und zu einer zielführenden Diskussion gehören ein fester Wille und Mut zur Zukunft,

eine argumentoffene Unvoreingenommenheit, eine ungefärbte und offene Sachlichkeit

und ein respektvoller Blick auf Geschichte und Vergangenheit.

1926 bezog das Museum dem Dom gegenüber erste Räume im „Römischen Kaiser, -
1932 übernahm und füllte das Gutenbergmuseum das ganze Haus, 
1962 schuf Architekt Rainer Schell dahinter ein noch heute zeitlos zeitgemäßes Bauwerk, -
1975 befreite der „Domplatz-Wettbewerb“ den Liebfrauenplatz von Straßenbahn und Auto, -
1978 konnte die wertvolle Bibel aus den USA heimgeholt werden, -
2000 wurde vom Büro Rossmann + Partner eine Sanierung und Erweiterung durchgeführt.


Heute stehen nicht nur wieder eine Grundsanierung und vielseitige Feuerschutzmaßnahmen, sondern auch der dringende Bedarf und die Notwendigkeit an weiteren Nutzflächen an.


Schon allein diese notwendigen Sanierungsarbeiten und die bereits angemahnten Maßnahmen für den Feuerschutz erzeugen eine hohe Kostenbelastung für den städtischen Haushalt, geschweige denn können die im hohen zweistelligen oder gar dreistelligen Millionenbereich anzusetzenden Kosten für die Erweiterung und Gestaltung eines kompakten „Weltmuseums“ in den Haushalt der Stadt eingebracht und von der Stadt aufgebracht werden, -
es muss eine groß angelegte Spendensammelaktion angelegt und durchgeführt werden.


2016 fand für das Museum nach Vorgaben der Stadt ein Architekten-Wettbewerb statt, -
2017 Vorstellung der eingereichten Arbeiten und Beginn der Städtebau-Diskussionen


Dass die bestehenden Museumsgebäude einer Erweiterung bedürfen, blieb unbestritten, -
das hochgesetzte Ziel, diese durch weitere Bauteile zu ergänzen und dem Gesamtkomplex einer der Bedeutung von Gutenberg gemäßen Gestaltung und Darstellung zuzuführen, -
der Wille, an der bisherigen Stelle, zu Fuße des Domes den Liebfrauenplatz mit einem einfühlsam erweiterten Museum, einem Weltmuseum, zu bereichern und abzurunden, blieb erhalten und wurde bekräftigt.

Erste Schritte hierzu wurden getan:
der verdienstvolle Förderverein und die Gutenberg-Stiftung wurden vereint und für den Vorsitz eine im Land , im Bund und Europa hohes Ansehen genießende, vielseitig vernetzte und welterfahrene und weltbekannte Persönlichkeit gewonnen, -
eine Persönlichkeit, die den Weg zur Realisation ebnen und festigen will und kann und als Ziel den Anspruch erhebt, dass „das Gutenberg-Museum für die Mainzer den gleichen Stellenwert bekommt, wie das Metropolitan Museum of Art für die New Yorker“.


Für und auf den Weg zu diesem Ziel kann und sollte eine künstlerisch gestaltete haushohe Skulptur erdacht und geschaffen, als Zeichen gesetzt und als werbewirksames „Logo“ für eine weltweite Sammelaktion zur Verfügung gestellt werden.


Ein auf langen Wegen erreichbarer „Bibelkeller“ mit einem in neuer Architektursprache dem bisherigen Museumsbauwerken vor- und aufgesetzten broncebelegten Treppenhausgebäude kann hierbei als Vorgriff zu einem Gesamtwerk, wenn diese unwirtschaftliche Anlage mit den bisher zur Verfügung stehenden Geldern überhaupt finanzierbar sein sollte, nicht dienlich und für einem konsequenten Weg zum Ziel nur schädlich sein.